
Die Anzahl der Studiengänge, mit denen sich junge Leute fit für einen Job in der Wachstumsbranche machen können, ist immens gewachsen, ergab eine Studie des Wissenschaftsladen Bonn. Doch die öffentliche Hand geizt mit den Stellen für Professoren, obwohl bereits jede zehnte Ingenieurstelle mit dem Thema zu tun hat.
Jede zehnte Ingenieurstelle hat heute bereits mit erneuerbaren Energien zu tun, schätzt der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Und der Anteil wird, betrachtet man den Wachstumskurs der Branche, weiter wachsen. „Unsere Umfrage zeigt: Firmen und Experten fordern einen starken Ausbau der branchenspezifischen Ausbildungs- und Studienangebote“, sagt Theo Bühler, Arbeitsmarktexperte beim Wissenschaftsladen Bonn. Gefördert vom Bundesumweltministerium untersuchte der Wissenschaftsladen Bonn, welche Ausbildungsangebote es zur Zeit gibt und welche Anforderungen die Unternehmen an ihre Mitarbeiter stellen. Das passe noch nicht zusammen, so Bühler. Die Unternehmen, so ein Studienergebnis, haben massive Probleme, ausreichend geschulte Fachkräfte zu bekommen. Ihre Strategie: Sie schulen die meisten neuen Mitarbeiter aufwändig durch `Training on the Job´.
Modethema: Bundesländer benennen 245 Studienangebote
245 Studienangebote, die sich mit erneuerbaren Energien beschäftigen, benannten die Bundesländer dem Wissenschaftsladen Bonn. Bühler: „Da schmückt sich manches Bundesland, manche Hochschule lediglich mit dem Modethema.“ Bei 101 dieser Studiengänge gibt es nur einzelne Seminare oder sonstige Lehrveranstaltungen. 103 Studienangebote setzen immerhin einen Schwerpunkt in diesem Thema. Vollständig auf Erneuerbare Energien bzw. auf Windenergie, Geothermie oder Bioenergie ausgerichtet , so Bühler, seien gerade einmal 41 dieser 245 Studienangebote. Die meisten Angebote machen dabei die Hochschulen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
Nur 35 Professoren arbeiten Vollzeit im Bereich Erneuerbare Energien
Nur 35 Professoren in Deutschland befassen sich ausschließlich mit Lehre und Forschung im Bereich Erneuerbare, ergab die Untersuchung des Wissenschaftsladen Bonn. 295 Profs, so ergab die Untersuchung des Wissenschaftsladen Bonn machen Erneuerbare in Teilzeit, die meisten mit einem Arbeitsumfang von deutlich unter 40 Prozent. Bühler: „Das ist zu wenig, um diesem dynamischen Arbeitsbereich, vor allem aber den steigenden Lehr-Anforderungen gerecht zu werden.“ Auf Jahre hätten deutsche Unternehmen so weiterhin keine Chance, genügend qualifizierte Fachkräfte zu finden.
Mit mindestens vier Fachprofessoren sollten Unis normalerweise einen Masterstudiengang ausstatten. Bei den Erneuerbaren hat nicht einmal jeder Studiengang einen einzigen Professor, der sich nur dem Thema widmet. Bühler: "Es wäre sinnvoll, 15 zusätzliche Professorenstellen einzurichten." Dabei, so der Vorschlag des Arbeitsmarktexperten, sollten öffentliche Hand und die Branche gemeinsam anpacken: Fünf Professorenstellen sollten über den Hochschulpakt finanziert werden. Fünf weitere sollten die Länder bezahlen, unter der Maßgabe, dass von Seiten der Branche bzw. der Unternehmen mindestens auch fünf Stiftungsprofessuren finanziert werden.
Bühlers Fazit: „Bundesländer und Hochschulen haben das Thema entdeckt, nehmen es aber noch nicht ernst.“ So ist die Zahl derer, die nach der Hochschule einigermaßen fit sind für die Branche, weiterhin mager: Die Studiengänge, die vollständig auf erneuerbare Energien ausgerichtet sind, besuchen derzeit gerade einmal knapp 1.200 Studierende.
Ansprechpartner:
Theo Bühler
Tel. (02 28) 201 61-25
theo.buehler@wilabonn.de
>> Übersicht aller Studiengänge: Bitte hier klicken!
>> „Statusbericht 2007: Ausbildung und Arbeit für Erneuerbare Energien“: Bitte hier klicken!
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