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New Work vs. „New Work“: Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Theorie und Praxis

New Work verspricht wettbewerbsfähigere Organisationen, in denen Arbeitnehmer*innen mit mehr Freiraum und Verantwortung arbeiten und dadurch sich selbst verwirklichen können. Auf dem Arbeitsmarkt weicht New Work jedoch in einigen Punkten weit vom ursprünglichen Konzept ab. Im Gastbeitrag erklärt WILA-Dozent Günter Thoma einige der Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Autor: Günther Thoma

Auf Kongressen und in der Literatur wird Frithjof Bergmann als Begründer der New Work-Bewegung genannt. Allerdings hat er selbst darauf hingewiesen, dass New Work in seinem Sinne (der vollständige Name lautet übrigens New Work-New Culture) und das gegenwärtig vorherrschende New Work sich teils erheblich unterscheiden. Denn während die ursprüngliche New Work-New Culture ein komplett neues Arbeitssystem vorsieht, verharrt New Work in der Praxis ganz im gegebenen Jobsystem. Konkret unterscheiden sich beide Konzepte wie folgt:

Unterschiede

New Work-New Culture New Work
formuliert eine Alternative zum herrschenden Jobsystem. Dieses neue Arbeitssystem besteht aus drei Arbeitsformen: Teilzeitjob, Berufung und einer neuen Form von Selbstversorgung, High-Tech-Self-Providing genannt. zielt darauf ab, Mitarbeiter*innen an die sich verändernden und neuen betrieblichen Anforderungen und Rahmenbedingungen anzupassen.
will den Menschen von der Jobarbeit (und ihren Zwängen) unabhängiger machen geht es darum, dass der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin im Jobsystem besser Leistung erbringen kann. New Work ist eine Methode zur Optimierung der menschlichen Arbeitskraft
Frithjof Bergmann ist Philosoph und als solcher ist für ihn die Entwicklung des Menschen durch Arbeit von zentraler Bedeutung. New Work dagegen ist ein Mittel der Organisationsentwicklung. Ihr Anliegen ist es, wie die Ziele der Organisation effektiv und effizient erreicht werden. Man könnte sagen: New Work ist Taylorismus in neuem Gewand.

Mit anderen Worten: New Work-New Culture zielt darauf ab, dass die Arbeit dem Menschen dient. Nicht so der Job bei New Work: Wer in einem Unternehmen gearbeitet hat, weiß, dass alle und alles dem Unternehmensziel untergeordnet sind – sonst könnte es nicht im täglich härter werdenden Konkurrenzkampf überleben. Der Mensch ist daher im Unternehmen primär Organisationsmitglied, muss sich vor allem den Jobanforderungen beugen und kann sich folglich nicht so verwirklichen, wie es durch Arbeit möglich wäre. Diesem Ziel käme man näher, wenn alle im Unternehmen an der Zielsetzung beteiligt wären.

Die sogenannte Flexibilisierung der Arbeit allein, die von New Work so gepriesen wird ändert daran wenig: Flache Hierarchien, flexible Arbeitszeiten, Team- und Netzwerkarbeit, Zielvorgaben statt kleinteiliger Arbeitsanweisungen usw. Sie dienen ebenso der Erreichung der Organisationsziele wie dies früher andere Maßnahmen taten. Richard Sennett hat in seinem Buch „Der flexible Mensch“ die Mythen und Versprechungen der schönen, neuen, flexiblen Arbeitswelt durchschaut und deren negativen Auswirkungen und Nachteile für den Menschen auf den Punkt gebracht.

Gemeinsamkeiten

New Work-New Culture und New Work überschneiden sich dort, wo in der Organisation die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

  •  mehr Freiraum haben, ihre Tätigkeit auszuüben.
  • nach Interesse und Talent ihren Arbeitsbereich wählen können.
  • in Teilzeit arbeiten können.
  • die Möglichkeit haben, Beruf und Leben besser vereinbaren zu können.

Allgemein formuliert: New Work-New Culture begrüßt alle Maßnahmen von New Work, die den Menschen weniger den Widrigkeiten des Jobsystems aussetzt und ihn weniger zum Rädchen im Getriebe macht.

Günter Thoma, Weiterbildung „Neue Arbeit“ bei Frithjof Bergmann, Mitglied im Netzwerk „Neue Arbeit – Neue Kultur“, Referent im WILA Bildungszentrum für: Unzufrieden mit dem Job? Das Konzept: Neue Arbeit. Wie man zur eigenen beruflichen Bestimmung kommt

Termin für das nächste Online-Seminar im WILA Bildungszentrum:

28.01.2023 Unzufrieden mit dem Job? Das Konzept: Neue Arbeit. Wie man zur eigenen beruflichen Bestimmung kommt