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Foto: © jd-photodesign / stock.adobe.com

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Fachwissen kommunizieren – „Kann doch Jeder“ oder „Hohe Kunst“?

Schon Albert Einstein war klar: Kompliziert zu schreiben und zu sprechen bläht Kommunikation auf. Spannende Texte leben vielmehr von einfacher und bildhafter Sprache – auch bei fachlicher Kommunikation.

Da es inzwischen gang und gäbe ist, interdisziplinär zu arbeiten, vernetzt zu sein und auch die Öffentlichkeit ins Boot zu holen, fällt stärker als früher auf, was es dazu eigentlich braucht, verständlich zu kommunizieren.

Je mehr man im eigenen Fach zuhause ist, Wissen über Jahre vertieft hat, sich überwiegend im eigenen beruflichen Umfeld bewegt, desto stärker verlieren die meisten Menschen das Gefühl dafür, was allgemeinverständlich ist. Und wundern sich, wenn ihre Texte nicht gelesen werden oder Missverständnisse entstehen. Komplizierte Sachverhalte verständlich auszudrücken will gelernt und geübt sein!

Friederike Vogel ist wissenschaftliche Redakteurin in einer Forschungseinrichtung, veröffentlicht Forschungsergebnisse für Fachzeitschriften und für verschiedene Zielgruppen. Auch in ihren Netzwerken und Arbeitsgruppen kommen Menschen aus unterschiedlichen Fachbereichen mit ihren jeweils verschiedenen Kulturen zusammen. Eines zeigt sich immer wieder: Sich zu verständigen ist nicht so einfach wie es scheint – und häufig leiden die Arbeitserfolge darunter.

Sie erleben, dass auch fachliche Kommunikation nicht so einfach ist. Was beobachten Sie?

Albert Einstein hat gesagt: „Wenn du es nicht einfach erklären kannst, hast du es nicht gut genug verstanden.“ Das zeigt, worum es geht. Wir glauben, dass Inhalte nur dann wissenschaftlich oder anspruchsvoll sind, wenn wir sie möglichst kompliziert präsentieren. Umgekehrt kämpfen wir uns als Lesende durch unverständliche Texte und meinen, der Autor/die Autorin muss wohl besonders klug sein, wenn wir es nicht verstehen. Mit Fachchinesisch schaffen wir außerdem eine Insider-Gemeinschaft. Das ist nicht gerade das, was eine moderne, demokratische Gesellschaft anstreben sollte. Vor allem aber können wir uns hinter komplizierten Formulierungen verstecken, wenn wir den Inhalt selbst nicht recht verstanden haben oder unsere Erkenntnisse verschleiern wollen – dann ist Taktik im Spiel.

Wer schreibt, will verstanden werden. Ich beobachte, dass Naturwissenschaftler/innen ihre Themen oft viel besser runter brechen und die zentralen Fragen allgemeinverständlicher und präziser darstellen können als Geisteswissenschaftler/innen. Vielleicht sind sie es mehr gewohnt, dass ihre Inhalte für andere schwer verständlich sind.

Dabei kommt es auch ganz wesentlich auf die Zielgruppe an. Was habe ich zu sagen? Was weiß ich über mein Gegenüber? Welchen Gewinn haben die Lesenden von meinem Text und wer tickt eigentlich wie? Und natürlich auch: Was möchte ich mit meinem Text erreichen? Das muss ich besonders beachten, wenn ich andere von meinen Anliegen überzeugen möchte, zum Beispiel beim Netzwerken. Entscheidend ist es also, sich beim Schreiben in die Perspektive des Lesenden zu versetzen.  

Sie helfen Menschen dabei, ans Ziel zu kommen, zur Veröffentlichung oder zum Projektziel. Gibt es Erfolgsgeschichten? Und: Macht das Spaß?

Eine Gruppe von Studierenden wollte mit  den Menschen aus einem sehr gemischten Stadtviertel ins Gespräch kommen. Sie verteilten Flyer an alle Haushalte, denn sie wollten möglichst alle Menschen einladen. Der Flyer begann so: „Der Workshop zielt darauf ab, Wege zu entwickeln, wie die Übernahme von Partizipation(sbereitschaft) durch kontraproduktive Tendenzen wie Neoliberalismus, Konservativismus und Paternalismus (Maternalismus), die einer emanzipatorischen Praxis und einem humanistischem (Bildungs-)Ideal entgegenstehen, vermieden werden kann…“. Am Ende blieben die Studierenden unter sich. Nach meinem Seminar war ihnen klar, warum. Und sie starteten mit einem neuen, zielgruppengerechten Text. Das macht dann Spaß – mir und vor allem auch den Autor/innen, die merken, wie sie mit einfachen Mitteln viel bessere Texte schreiben. 

Wie kann man das lernen, spannend zu schreiben?

Zunächst sollte man üben, verständlich zu schreiben. Dafür gibt es ganz simples Handwerkszeug: Schreibe kurz, klar und bildhaft. Außerdem ist es wichtig, dass man überhaupt etwas zu sagen hat – und dass man es auch sagen will. Wer (beruflich) liest, hat oft wenig Zeit. Auch Experten aus dem eigenen Fachbereich lesen lieber verständliche Texte. Wissenschaftler/innen sind keine Masochisten. Ein Autor sagte mir einmal, jetzt sei der Text doch so, dass man ihn den Lesenden zumuten kann – das sollte nicht der Maßstab sein. Auch Fachleute freuen sich über kurzweilige Texte. Meist liegt es übrigens nicht an der Fachsprache, sondern an komplizierten Satzkonstruktionen, fehlender Struktur und passiver Sprache, wenn wir einen Text nicht verstehen. 

Eine besondere Herausforderung ist die Kommunikation zwischen verschiedenen Disziplinen, weil wir alle anders tickten. Viele wissenschaftliche aber auch Alltagsthemen sind inzwischen so komplex, dass wir nur in gemeinsamer Betrachtung Lösungen finden können. Sich dabei gut zu verständigen, ist eine wichtige Voraussetzung und eine große Bereicherung für alle Beteiligten.

August 2020

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